Leserbrief an die Südwestpresse

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Südwestpresse,
bzgl. Ihres Artikels „Gotterkenntnisbund hetzt gegen Flüchtlinge“ vom 14.01.2016, würde ich gerne folgenden Leserbrief in Ihrer Zeitung veröffentlichen:

Leserbrief bzgl. des Artikels „Gotterkenntnisbund hetzt gegen Flüchtlinge“ vom 14.01.2016 von Hans Georg Frank

Dieser Artikel ist ein Negativbeispiel für Berichterstattung, wie sie nicht sein sollte. Es ist die Aufgabe einer seriösen Zeitung, den Leser objektiv über Ereignisse zu informieren. Die Wertung und Interpretation dieser Ereignisse sollte dem Leser obliegen, der ja ein mündiger Bürger ist.
In dem besagten Artikel versucht die Zeitung dem Leser zu suggerieren, daß der „Bund für Gotterkenntnis Ludendorff“ ein unlauterer Verein mit schlimmen Zielen sei, da die Ziele des Vereins ja offensichtlich falsch seien. Die Redaktion geht also davon aus, daß es gewisse Grundwahrheiten gibt, die so grundlegend offensichtlich als wahr angesehen werden müssen, daß jede Abweichung von diesen Grundwahrheiten ganz automatisch zu einer Disqualifikation der entsprechenden Person bzw. des Personenkreises führt.
In der Naturwissenschaft werden solche grundlegend als wahr anzunehmenden und nicht weiter zu beweisenden Annahmen auch Axiome genannt. So geht beispielsweise die Physik davon aus, daß sich Massen gegenseitig anziehen (Gravitation). Daß es Gravitation geben muß, geht aus vielen Naturbeobachtungen hervor und nur durch die Annahme der Existenz jener Gravitation lassen sich beispielsweise die Planetenbewegungen erklären.
Aber selbst in der Naturwissenschaft ist es oft schwierig und problematisch, ein Axiom zu formulieren. Ungleich schwieriger ist es bei geistes- und sozialwissenschaftlichen Aspekten. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beispielen solcher Scheinaxiome, die oft wenige Generationen oder gar nur Jahre später durch andere Scheinaxiome ersetzt wurden.
Im Mittelalter ging man von der Unfehlbarkeit der katholischen Kirche aus, da ja der Papst als Nachfolger von Petrus offensichtlich das Göttliche und somit Richtige auf Erden verkörpere. Martin Luther stellte erstmals diese Unfehlbarkeit in Frage und wurde daher von den Herrschenden als Ketzer verteufelt. Martin Luther wiederum sah die Bibel als Axiom an, was ja auch heute noch viele tun.
Galileo Galilei wurde ebenfalls als Ketzer und als verrückt angesehen, weil er die irrige Meinung vertrat, die Erde drehe sich um die Sonne, obwohl doch jeder sehen konnte, daß die Sonne im Osten auf- und im Westen niederging.
Es sollte wieder einige Generationen dauern, bis in der Zeit der Aufklärung auch die Bibel selbst als Axiom hinterfragt wurde usw.
Da wir ja in einer modernen Welt leben, sollte man glauben, daß bei uns bestenfalls nur das als Axiom anerkannt wird, was einwandfrei wissenschaftlich bewiesen ist. Sicher benötigt ein Staat darüberhinaus noch mehr Axiome, um beispielsweise Grundlagen für Gesetze zu haben, wie allgemein anerkannte moralische Grundnormen, z.B. Das Recht auf Leben, Eigentum etc.
Dinge, die grundlegend in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung geregelt und anerkannt sein müssen.
Folgt man allerdings der Argumentation des oben genannten Artikels, dann gibt es noch viel mehr Axiome. Der Bund für Gotterkenntnis disqualifiziert sich beispielsweise nach Ihrer Interpretation dadurch, daß er z.B. die Identität des eigenen Volkes für schützenswert hält, daß er in der Vermischung von Völkern eine Gefahr sieht und daß er sich auf die Philosophie Mathilde Ludendorffs beruft, die ja so offensichtlich unrecht habe. Das bedeutet also, die Redaktion geht davon aus, daß das Ziel, in einer glückselig machenden multikulturellen Gesellschaft zu leben, in der kein Platz für gewachsene und auf den Erhalt ihrer Identität bedachten Völker ist, ein gesellschaftliches Axiom darstellt. Dieses Scheinaxiom ist mittlerweile zum Leitfaden der BRD-Gesellschaft mutiert.
Da muß man doch fragen, wovon die Redaktion diese scheinbare Plausibilität herleitet ?  Es gibt praktisch kein einziges geschichtliches Beispiel für eine dauerhaft funktionierende multikulturelle Gesellschaft. Völker aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt durcheinanderzuwirbeln, sie ihrer Wurzeln zu berauben und in einem geographischen Raum zusammenzubringen, ist ein Experiment, das erst die technischen Möglichkeiten der jüngsten Vergangenheit ermöglichten. Wie sich dieser multiethnische Mix dauerhaft auswirkt, weiß keiner. Beobachtet man die Vorgänge der letzten Wochen in Köln und anderen deutschen Großstädten, dann ist man als objektiver Beobachter geneigt, die Ansichten des Bundes für Gotterkenntnis zu teilen. Aber das darf ja, folgt man der Redaktion, nicht sein, da man dann gegen grundlegende Axiome verstoßen würde.
Diese Denkweise ist erschreckend, denn sie beweist, daß wir heute kaum weiter sind als im Mittelalter. Damals wurde derjenige verdammt, der die katholische Kirche in Frage stellte; heute wird verdammt, wer die Glückseligmachung der multikulturellen Gesellschaft hinterfragt.
Was die Einschätzung des Verfassungsschutzes betrifft, so ist es vielleicht hilfreich, den Bund für Gotterkenntnis Ludendorff mit einer Religionsgemeinschaft zu vergleichen, die nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird, nämlich der besagten katholischen Kirche:

1. Vergleich:
Der Verfassungsschutz wirft dem Bund für Gotterkenntnis Ludendorff vor, er sei antimodernistisch. Abgesehen von der sich aufdrängenden Frage, warum man modernistisch sein sollte um als verfassungskonform zu gelten, ist festzustellen, daß Mathilde Ludendorff bereits im 19. Jahrhundert als Frau Medizin studierte, als man gemeinhin noch der Ansicht war, Frauen gehörten hinter den Herd. Auch heute wird der Bund von einer Frau geführt.
In der katholischen Kirche jedoch wird Frauen bis heute das Priesteramt verweigert. Auch ist die katholische Kirche antidemokratisch strukturiert, da nur ein Mann an der Spitze letztlich das Sagen hat (der Papst).

2. Vergleich:
Dem Bund wird Rassismus vorgeworfen. In ihren Werken betont Mathilde Ludendorff immer wieder, daß der Untergang eines Volkes, gleich um welches Volk es sich handelt, zwangsläufig zu einem endgültigen und unwiederbringlichen Verlöschen eines ganz eigenen Empfinden des Göttlichen führe, weswegen die Erhaltung der Völker zu den wichtigsten Aufgaben gehöre. Kein Volk dürfe ein anderes Volk an seiner freien Entfaltung und Kulturschöpfung hindern.
Im alten Testament, das ein Teil des Glaubensfundaments der katholischen Kirche darstellt, wird das jüdische Volk als auserwählt bezeichnet und es wird ihm von Gott versprochen, daß es dereinst über die nicht-jüdischen Völker herrschen werde.
Der Bund für Gotterkenntnis Ludendorff lehnt diesen Auserwähltheitsdünkel ab. Ist das Antisemitismus ?

3.Vergleich:
Dem Bund wird eine Ideologie aus der Nazizeit attestiert. Der Bund sah sich nach dem Tod des Generals Ludendorff von den Machthabern des Dritten Reichs starken Repressalien ausgesetzt. Vielen „Ludendorffern“ blieben im Dritten Reich Ämter verwehrt oder sie wurden sogar verfolgt.
Die katholische Kirche wurde in der selben Zeit mit der Kirchensteuer beschenkt und ging in weiten Teilen konform mit der Führung des Dritten Reiches.
Warum also wird der Bund für Gotterkenntnis beobachtet und nicht die katholische Kirche ? Geht es hier wirklich um die freiheitlich demokratische Grundordnung oder nicht vielmehr um das Zementieren von Machtstrukturen und das Unterdrücken unliebsamer Meinungen, wie zu Zeiten des Galileo Galilei ?

 

Ingo Henn

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